Zeynep, die an Zerebralparese leidet, steht auf ihrem Weg aus der Türkei in die Freiheit Europas vor vielen schwierigen Herausforderungen. Zeynep und Hunderte andere haben mit ihren inspirierenden Erzählungen Geschichte geschrieben. Ihre Geschichten erinnern an ihren Kampf gegen das wilde Wasser der Mariza auf dem Weg in die Freiheit.

Für Zeynep war das Gehen eines der schwierigsten Dinge im Leben. Aufgrund einer Zerebralparese, die durch einen Schlaganfall während der Geburt verursacht wurde, konnte sie ihren Unterkörper kaum bewegen. Ihre Geschichte, die in Krankenhäusern, umgeben von Ärzten und Medikamenten, begann, nahm nach dem angeblichen Putschversuch vom 15. Juli eine Wendung. Ihre Eltern waren Lehrer an Schulen, die der Hizmet-Bewegung nahestanden. Die Regierung schloss alle diese Schulen. Sie verloren ihre Arbeit und bekamen Berufsverbot. Auf die Entlassung ihrer Eltern folgten endlose Verhaftungen und Ermittlungen.

Nach der plötzlichen Entscheidung ihrer Familie für eine freie Zukunft begaben sie sich auf die Reise. Zeynep hatte einen Rollstuhl, doch die Schlepper weigerten sich, ihn an Bord zu nehmen, da er das Boot beschädigen könnte. Sie mussten den Rollstuhl am Flussufer zurücklassen und stiegen auf das Schlauchboot und überließen sich den rauen Gewässern der Mariza. Als sie schließlich dachten, sie hätten die Küste erreicht, blieb das Boot an einem Ast hängen und die Hülle riss ein. Sie kämpften und erreichten das Ufer, doch damit begann der zweite und schwierigste Teil ihrer Reise.

In dieser Nacht ging Zeynep zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester Fatma insgesamt 12 Kilometer in der Türkei und Griechenland. Diese Wanderung verbindet Zeynep in ihrer Erinnerung aber nicht mit Schmerzen, sondern sie bedeutet für sie „die ersten Schritte in ein neues Leben“. Sie lief stundenlang in Stille, mit Ausdauer, ohne sich zu beschweren. Als sie müde wurde, trugen ihre Mutter und ihr Vater sie auf abwechselnd auf dem Rücken.

Nachdem sie stundenlang gelaufen waren, sahen sie die schwachen Lichter eines kleinen Dorfes weit weg. Diese Lichter waren die hellen Funken der Freiheit. Eine Frau gab Zeynep und ihrer Familie während ihrer Zeit als Flüchtling Kraft, indem sie ihnen jeden Tag frische Kekse aus ihrer Bäckerei schickte.

Zeynep ist jetzt zwölf Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Familie in einem europäischen Land und befindet sich in Behandlung. Sie hat viele Operationen hinter sich, lernt eine neue Sprache und besucht eine Schule für Körperbehinderte. Die Geschichte der kleinen Zeynep, die eine harte Nachtfahrt mit unbeweglichen Beinen überstand, ist eine der Geschichten, die unser Gewissen ansprechen und uns an die verheerenden Realitäten in der Türkei erinnern. Die Geschichte wird unsere Herzen immer wieder berühren. Ihre Beinprothesen und Brillen sind Zeugnisse einer düsteren Zeit der Verfolgung.

Tenkil Müzesi Enstalasyon Eşyaları ve Diğer Fotoğraflar